Crowdfunding im Journalismus: Marvin Oppong verfolgt AfD-Freunde bei Wikipedia

von Freitag, den 24. Februar 2017

Anonyme Wikipedia-Autoren manipulieren offenbar gezielt Artikel in der Internet-Enzyklopädie, um die AfD in einem besseren Licht erscheinen zu lassen. Zu diesem Ergebnis kommt Marvin Oppong, Dozent der Leipzig School of Media im Studiengang New Media Journalism, in einem aktuellen Online-Beitrag für die Frankfurter Rundschau. Das Besondere: Die Recherche finanzierte Oppong über Crowdfunding.

Im Dezember 2016 erbat Oppong auf der Crowdfunding-Plattform Startnext Unterstützung, um die Frage zu beantworten: "Wieviel AfD steckt drin in der Wikipedia?". Oppongs Ziel war eine Finanzierung der Recherche durch einen Betrag in Höhe von 1.250 Euro. Bis zum Ende des Finanzierungszeitraums am 11. Januar dieses Jahres spendeten 87 Unterstützer sogar rund 1.800 Euro. "Ich war sehr zuversichtlich, dass das klappt. Wikipedia-Themen gehen gut, weil da bei fast jedem eine persönliche Betroffenheit da ist", sagte Oppong auf Nachfrage bereits vor Erscheinen des Artikels. Immerhin nutzt fast jeder regelmäßig Wikipedia, um Informationen nachzuschlagen. "Außerdem wird die AfD natürlich sehr kontrovers gesehen." 

Journalistische Crowdfunding-Projekte nicht immer erfolgreich

Oppong hat bereits mehrere Crowdfunding-Projekte gestartet – allerdings nicht immer mit Erfolg. So scheiterte etwa ein Vorhaben, bei der Oppong untersuchen wollte, wieso viele Kunden von anderen Internetanbietern Probleme mit Technikern der Telekom haben. In einem anderen Fall wollte der Journalist über Interessenskonflikte des Tüv bei der Prüfung von Atomkraftwerken schreiben. Zwar scheiterte auch hier die Finanzierung über den Schwarm, aber ein Magazin wurde durch das Crowdfunding-Projekt auf das Thema aufmerksam und finanzierte die Recherche. Am Ende veröffentlichte schließlich ein anderes Magazin, die als Beilage in der Taz erscheinende "Kontext", die Geschichte.

Vorteile bei Themeneinschätzung und im Gespräch mit Redaktionen

Als bewährtes Mittel für den Journalismus würde Oppong Crowdfunding deshalb nicht uneingeschränkt bezeichnen. "Es ist sehr aufwändig, so eine Kampagne zu starten und zu betreuen. Der Erfolg hängt dann immer stark vom Thema ab und lässt sich kaum vorhersagen", erklärt Oppong, der sein Journalistenbüro in der Bundesstadt Bonn bezogen hat. Andererseits ließe sich schnell erkennen, ob ein Thema für die Leser relevant ist. Und Artikel, die von der Crowd unterstützt wurden, könnten bei Redaktionen leichter angeboten werden. Oppong: "Wenn ich schon 80 Leute habe, die das lesen wollen, habe ich kein Problem, meinen Text hinterher an eine Zeitschrift zu verkaufen."

Wikipedia mit anderen Augen sehen

Im aktuellen Fall wäre eine Veröffentlichung ohne die Crowdfunding-Unterstützer kaum möglich gewesen. Oppong hatte zwar bereits Hinweise auf seltsame Wikipedia-Manipulationen durch Afd-Sympathisanten, aber es gab noch umfangreiche Recherchen zu bewältigen, ehe daraus eine Geschichte werden konnte. Mehrere Tage wühlte sich Oppong durch Wikipedia-Einträge, deren Versionsgeschichten sowie die dazugehörigen öffentlichen Diskussionen der Autoren. Im Ergebnis konnte der Journalist der AfD zwar keine direkte Beteiligung an den Manipulationen nachweisen. Die Wikipedia-Einträge zur Partei oder auch zu prominenten Vertretern wie Björn Höcke sieht man hinterher aber zweifelsohne mit anderen Augen.

Wer Marvin Oppong als Dozent erleben möchte, hat dazu übrigens am 10. Und 11. März Gelegenheit. Dann bestreitet der Journalist das Seminar "Investigative Recherche und Datenrecherche".

Screenshot von Marvin Oppongs Crowdfunding-Kampagne bei Startnext.

Marvin Oppong produzierte eigens ein Video, um bei auf der Crowdfunding-Seite Startnext für sein Vorhaben zu werben. (Screenshot von www.startnext.com/LSoM)

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