Datenjournalismus im Dienst der Pressefreiheit

von Mittwoch, den 05. Oktober 2016

Datenjournalistische Arbeitsweisen können auch in Nichtregierungsorganisationen oder anderen Institutionen erfolgreich eingesetzt werden. Martin Hoffmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Europäischen Zentrum für Presse- und Medienfreiheit (ECPMF) in Leipzig, besuchte Ende vergangenen Jahres mit einem Kollegen das Datenjournalismus-Seminar der Leipzig School of Media (LSoM) und sagt heute bilanzierend: „Wir haben damals unter anderem gelernt, dass es auf eine gute Visualisierung ankommt. Die Werkzeuge, die uns gezeigt wurden, konnten wir etwa nutzen, um die geographische Verteilung von Angriffen auf Journalisten darzustellen. Auch für die Präsentation unserer Daten im Bundestag hat das Seminar sehr gute Anregungen gegeben“.

49 Übergriffe auf Journalisten in Deutschland im Jahr 2015

Martin Hoffmann und seine Mitstreiter vom ECPMF haben es sich zur Aufgabe gemacht, Angriffe auf Journalisten und andere Verletzungen der Pressefreiheit systematisch zu dokumentieren. Im November und Dezember 2015, parallel zur Weiterbildung an der LSoM, sammelte Hoffmann hierzu gerade Daten zu Angriffen auf Journalisten in Deutschland. Dabei untersuchte er Pressedatenbanken, Polizeimeldungen, soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter und nahm Kontakt zu einzelnen Medienhäusern auf. Anschließend überprüfte Hoffmann die Meldungen auf ihre Glaubwürdigkeit. Ergebnis der so genannten Fact Finding Mission: 2015 wurden in Deutschland fast 50 Journalisten Opfer von Gewalt, gravierenden Bedrohungen oder schwerer Sachbeschädigung. Für 2014 konnten Hoffmann und seine Kollegen lediglich 10 Fälle finden. „Diese deutliche Zunahme hängt mit dem Auftauchen der rechtspopulistischen Bewegungen wie Pegida und anderen seit Ende 2014 zusammen. Einem großen Teil der dort Demonstrierenden gelten Journalisten als ‚Lügenpresse‘, als willfährige Handlanger der Bundesregierung. Journalisten sind damit zum Feindbild für diese Menschen geworden – zu einem Hassobjekt“, erklärte Hoffmann in einem Interview mit dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger im April 2016.

Datenbank übersichtlich aufbauen und für die Öffentlichkeit zugänglich machen

Die Daten der Fact Finding Mission sowie Daten weiterer Angriffe auf Journalisten in ganz Europa will das ECPMF langfristig sammeln, aufbereiten und veröffentlichen. Auch dazu gab das Seminar zum Thema Datenjournalismus an der LSoM wertvolle Hinweise: „Das Team der School und besonders Dozent Björn Schwentker legen großen Wert darauf, dass die Teilnehmer lernen, wie Daten vernünftig angelegt, bereinigt und analysiert werden können. Deshalb haben wir im Seminar viel für den Aufbau unserer eigenen Datenbank gelernt“, sagt Hoffmann, der an der Universität Leipzig Journalistik studierte und anschließend unter anderem als freier Redakteur für das ZDF arbeitete. „Momentan geht es bei uns darum, diese Daten öffentlich zugänglich zu machen, damit alle Interessierten damit arbeiten können.“

Gute Excel-Kenntnisse vonnöten

Auf seine Teilnahme am Datenjournalismus-Seminar blickt Hoffmann indes nicht völlig kritiklos zurück. Teilnehmer sollten seiner Erfahrung nach in jedem Fall über gute Kenntnisse im Umgang mit Excel verfügen. „Ich denke, man sollte die grundlegenden Funktionen des Programms schon vorher beherrschen. Und das geht über das Bedienen der Funktion Autosumme hinaus. Wir waren leider damals etwas überfordert mit dem Einsatz der Software.“

ECPMF bittet um Hinweise zu Verletzungen der Pressefreiheit in Europa


Alle Daten und Fakten, die das ECPMF und seine Partner zusammentragen, finden Interessierte übrigens in einem eigens eingerichteten „Resource Center“ . Gewalt gegen Journalisten oder andere Verstöße gegen die Pressefreiheit können Besucher über den „Reporting-Point“ auf der ECPMF-Website direkt an Martin Hoffmann und seine Kollegen melden. Das Dossier zur Gewalt gegen Journalisten in Deutschland ist hier zu finden. Das ECPMF nahm seine Tätigkeit vor rund eineinhalb Jahren auf. Es wird genossenschaftlich getragen von einzelnen Journalisten, Wissenschaftlern und Juristen, aber auch von Medienunternehmen, Gewerkschaften, Universitäten und anderen Organisationen. Finanziell unterstützt wird das Vorhaben von der Europäischen Kommission, dem Land Sachsen, der Stadt Leipzig sowie der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig. Das ECPMF hat seinen Sitz auf dem Mediencampus Villa Ida in direkter Nachbarschaft zur LSoM.

Aktueller Veranstaltungshinweis: Intensivsseminar DatenjournalismusDas nächste Datenjournalismus-Seminar an der LSoM findet vom 16. bis 18. Oktober 2017 statt. Als Dozenten konnte die School erneut Datenjournalist Björn Schwentker gewinnen, der unter anderem für die Zeit, Spiegel Online und die Rechercheredaktion Correctiv arbeitet.

Martin Hoffmann vom ECPMF bei seiner Anhörung im Bundestag.

Martin Hoffmann stellte seine Rechercheergebnisse auch im Deutschen Bundestag vor. Für die visuelle Gestaltung der Präsentation erhielt er beim Datenjournalismus-Seminar der LSoM hilfreiche Hinweise. (Foto: ECPMF)

Teile diesen Beitrag:

Universität Leipzig

Akademischer Partner

Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig

Akademischer Partner

Akademie für Publizistik Hamburg

Akademischer Partner

MAZ - Die Schweizer Journalistenschule

Akademischer Partner

Kuratorium für Journalistenausbildung

Akademischer Partner

Europäisches Institut für Journalismus- und Kommunikationsforschung

Akademischer Partner

Medienstiftung der Sparkasse Leipzig

Muttergesellschaft und Förderer

GKMB Web + Film

Unterstützer

Bundesverband Digitale Wirtschaft

Studiengangspartner Mobile Marketing

Bundesverband Community Management

Partner

Detektor.fm

Partner

Mobilbranche.de

Partner

turi2

Partner

Synexus

Partner

Content Marketing Forum

Studiengangspartner Corporate Media

Mobile Business

Partner

ITmitte.de

Partner

Leipzig School of Media

gemeinnützige Gesellschaft für akademische Weiterbildung mbH
Mediencampus, Poetenweg 28, 04155 Leipzig Route planen

Tel +49 341 56296-701
Fax +49 341 56296-791
info (at) leipzigschoolofmedia.de

Die Leipzig School of Media ist ein Tochterunternehmen der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig in Zusammenarbeit mit der Universität Leipzig und der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig.


Top