Journalisten unter Zeitdruck und ein hysterisches Publikum

von Dienstag, den 01. November 2016

Unter dem Motto „Medien- oder Märchenland“ haben rund 300 medieninteressierte Jugendliche und junge Erwachsene bis Sonntag bei den Jugendmedientagen in Dresden über Glaubwürdigkeit, Objektivität und Verantwortung im Journalismus debattiert. Insbesondere bei den verschiedenen Podiumsdiskussionen übten die jungen Medienmacher Kritik an der eigenen Zunft. "Heutzutage werden Fakten nicht mehr richtig korrigiert", sagte zum Beispiel Philip Oltermann, der von Berlin aus für den britischen "Guardian" arbeitet. Oftmals würden Geschichten weiterhin auf den Online-Nachrichtenseite bleiben, weil sie "too good to check" seien, kritisierte der 1981 geborene Journalist.

Die Keynote bei den Jugendmedientagen hielt Hubertus Koch, der in den vergangenen Jahren für seinen unkonventionellen, sehr persönlichen Dokumentarfilm „Süchtig nach Jihad“ viel Lob erhalten hatte. Der 27-Jährige machte vor allem äußere Faktoren für vermeintlich nicht objektiven, intransparenten Journalismus verantwortlich: „Wenn wir uns fragen, wie frei die Medien sind, dann müssen wir uns fragen, wie frei der Mensch ist, der hinter den Medien steht“. Freier Journalismus werde eingeschränkt durch „Formate, Zeitdruck und ein hysterisches Publikum.“ An den versammelten Mediennachwuchs appellierte er, sich die Freiheit zu nehmen, Dinge anders zu machen und Regeln zu brechen.

Das Publikum benötige in Zeiten des digitalen Medienwandels und des wachsenden Einflusses von Algorithmen eine größere Medienkompetenz, lautete der Tenor der weiteren Diskussionen. Nachrichten sollte jeder Nutzer selbst filtern. „Sobald man jemanden beauftragt, ist man manipulierbar!“, sagte der Journalist und Russlandexperte Boris Reitschuster. Rayk Anders, freier Journalist und YouTuber mit mehr als 75.000 Abonnenten, machte neben den Algorithmen gezielte Propaganda von Extremisten für einseitige Informationen verantwortlich. „Wegen einiger ‚Verschwörungsspastis‘ glauben immer mehr Menschen, dass es Eliten gibt, die uns fertig machen wollen. Die Leute wollen sich nicht informieren, sie wollen sich empören.“

Neben den Podiumsdiskussionen standen bei den Jugendmedientagen auch Besuche in Fernsehstudios und Zeitungsredaktionen auf dem Programm. In Workshops und Lehrredaktionen konnten die Teilnehmer sich außerdem selbst ausprobieren.

Die Jugendmedientage werden vom Verein Jugendpresse Deutschland in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für politische Bildung organisiert. Laut Veranstaltern ist es einer der größten Kongresse für junge Medienmacher in Deutschland.

Weitere Informationen und Fotos unter: www.jugendmedientage.de

Filmemacher Hubertus Koch rief junge Medienmacher und Journalisten zu mehr Experimentierfreude auf.

Filmemacher Hubertus Koch rief junge Medienmacher und Journalisten zu mehr Experimentierfreude auf.

Rund 300 die Kongressteilnehmer besuchten die Medientage in Dresden.

Rund 300 die Kongressteilnehmer besuchten die Medientage in Dresden. (Fotos: Jugendpresse Deutschland/Jugendmedientage)

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