LSoM-Dozent Christoph Fasel: „Ein guter Schreiber muss für seine Geschichte schwitzen“

von Donnerstag, den 03. November 2016

Journalismus ist ein Handwerk, das jeder lernen kann. Davon ist Christoph Fasel, Journalist, Bestseller-Autor und Dozent der Leipzig School of Media (LSoM) überzeugt: „Journalismus besteht nur zu zehn Prozent aus Inspiration. Aber zu 90 Prozent aus Transpiration“, sagt er. Welche Fähigkeiten Journalisten brauchen, wie sie von Lesern verstanden werden und ihr Publikum unterhalten, vermittelt Fasel am 28. und 29. November in seinem Seminar Kreatives Schreiben und Arbeiten. Im Kurz-Interview verrät er vorab, warum jede journalistische Geschichte einen Küchenzuruf braucht, welche Fragen sich Autoren vor dem Schreiben stellen müssen und was bei Schreibblockaden hilft.

Herr Fasel, Sie behaupten, jeder gute journalistische Text beruht auf einem „Küchenzuruf“. Was ist darunter zu verstehen?
Der Begriff Küchenzuruf stammt von Henri Nannen. Jeder gelungene journalistische Text, egal wie lang er ist, muss seinen Leser demnach befähigen, seinem Partner, der gerade in der Küche steht und den Abwasch macht, den Kern einer soeben gelesenen Geschichte in zwei bis drei Sätzen wiederzugeben. Und zwar so, dass der Nicht-Leser weiß: ‚Ah, darum geht es also!‘ Ein journalistischer Text kann ohne Küchenzuruf nicht funktionieren.

Bei komplexen Recherchen fällt es selbst erfahrenen Journalisten manchmal schwer, den Kern der eigenen Geschichte auf den Punkt zu bringen. Gibt es eine bestimmte Vorgehensweise, wie man Wesentliches von Unwesentlichem trennt?
Stellen Sie sich einfach die Frage, die jeder Leser sich stellt, bevor er ein Interview, eine Reportage oder einen Bericht zu lesen beginnt. Sie lautet: ‚Warum muss ich das jetzt lesen?‘ Wer sich als Autor nicht diese Frage stellt, wird niemals eine professionelle Selektion des recherchierten Materials hinkriegen – geschweige denn eine Reportage, ein Interview oder auch nur einen schlichten Bericht, der den Leser fesselt.

Was raten Sie Autoren im Fall einer Schreibblockade?
Computer zuklappen, Licht ausmachen, Mantel anziehen, zwei Stunden durch den Wald. Nicht an die Geschichte denken. Und erst, wenn man wieder in die Redaktion kommt, das Material noch mal sichten und fragen: Wo ist die geniale Szene für den Einstieg? Was ist der richtige Knaller für das Ende? Wie halte ich meinen Spannungsbogen oben? Was viele Kollegen vergessen: Journalismus besteht nur zu zehn Prozent aus Inspiration. Aber zu 90 Prozent aus Transpiration. Ein guter Schreiber muss für seine Geschichte schwitzen. Er muss ganz banales Handwerk anwenden, wenn die Geschichte gelesen werden soll. Und gerade diese Handwerksregeln sind es, die Schreibern über Blockaden hinweg helfen.

In Ihren Seminaren üben Sie mit den Teilnehmern, wie man verständliche und anschauliche Texte schreibt. Können Sie unseren Lesern ein Beispiel für eine besonders effektive Übung nennen, mit der sich der Schreibstil verbessern lässt?
Ich liebe die Ein-Silben-Übung. Dabei versuchen wir, eine Geschichte mit möglichst kurzsilbigen Wörtern zu erzählen. Sie führt uns Schreiber auf die Spur der Lakonie, jener schon in der Antike geübten Schreibhaltung, die sich auf das Wesentliche konzentriert. Lakonisches Schreiben gelingt ja doch nur, wenn man den Wörtern so lange auf der Spur bleibt, bis man das Ur-Wort, wie Sprachlehrer Ludwig Reiners schreibt, aufgespürt hat. Ur-Wörter sind stets kurz: Anstatt von ‚positiven emotionalen Beziehungsstrukturen‘ zu schwafeln, wählt ein Schreiber, der verstanden und gelesen werden will, schlicht das Wort ‚Liebe‘. Die Ein-Silben-Übung bringt erstaunliche Texte zustande. Ich bin jedes Mal gespannt darauf, was dabei herauskommt.

Interview: Alexander Laboda

>> Vergangene Woche hat uns Christoph Fasel bereits seine 10 Gebote für verständliche Texte verraten.

Christoph Fasel vermittelt Seminarteilnehmern Methoden und Instrumente, die helfen, attraktive und aussagekräftige Texte zu verfassen. (Foto: LSoM)

Christoph Fasel vermittelt Seminarteilnehmern Methoden und Instrumente, die helfen, attraktive und aussagekräftige Texte zu verfassen. (Foto: LSoM)

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