Newsbots und Messenger: Das nächste große Ding?

von Freitag, den 17. Februar 2017

Martin Hoffmann, Dozent im Volontärskurs Crossmedia der Leipzig School of Media (LSoM), ist vergangene Woche als „Journalist des Jahres“ ausgezeichnet worden. Bei der Wahl des „Medium Magazin“ belegte er in der Kategorie „Entrepreneur“ den ersten Platz. Die Jury zeichnete ihn für die Entwicklung des Bots „Resi“ aus, der automatisiert Nachrichten oder andere journalistische Inhalte schickt und sogar mit den Nutzern interagieren kann. Dahinter steckt möglicherweise die nächste große Revolution in Medien, Kommunikation und Marketing.

Bots haben in jüngster Zeit nicht gerade positive Schlagzeilen gemacht. Ihr Einsatz für die Manipulation von Meinungen etwa in sozialen Netzwerken wurde heftig diskutiert. Hoffmanns Programm „Resi“, das es aktuell nur für iOS gibt, ist aber zunächst einmal sehr sympathisch. Die App begrüßt seine Nutzer nach dem Aufstehen mit einem „Guten Morgen, lieber Max Mustermann“ und verkündet Nachrichten in dem Plauderton, den auch Arbeitskollegen oder Freunde im Messenger-Chat untereinander wählen würden. Auch die typischen GIFs, Videos und Emojis fehlen nicht. „Ich hab schlechte News: Die Briten haben für den Brexit gestimmt :-(“, lautet ein Beispiel auf der Unternehmenswebsite. Die Nutzer können auf die Nachrichten antworten, etwa mit der Frage: „Was ist der Brexit?“. Dann liefert Resi wie selbstverständlich den Hintergrundartikel. Langfristig lernt das Programm außerdem, was seine Nutzer gerne lesen. Kritisch ist deshalb zu sehen, dass das Programm wiederum das Leben in einer Filterblase begünstigt.

„Resi“ soll aber in erster Linie Spaß machen und richtet sich vor allem an eine junge Zielgruppe, die sich die Tagesschau-App oder andere Nachrichtenangebote womöglich nicht herunterladen würden. Vielleicht ist die Begeisterung rund um die Technik deshalb so groß. Hoffmann, der seine Stelle als Social-Media-Chef von Welt.de aufgab, um das Projekt mit seinem Start-Up umzusetzen, habe eine App gebaut, die „vielen Medien den richtigen Weg zeigt“, heißt es auch in der Begründung für die Auszeichnung zum „Journalisten des Jahres“.

Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass Hoffmanns Idee nicht ganz neu ist. Seit etwa einem Jahr bietet bereits die US-Nachrichtenseite Quartz [https://qz.com/] eine App an, die mit Nutzern interagiert. Und auch in Deutschland ist „Resi“ nicht mehr ganz einzigartig. Seit Januar sendet das öffentlich-rechtliche Jugendangebot Funk mit dem Newsbot „Novi“ via Facebook-Messenger Chat-Nachrichten an Leser. Hoffmann ärgerte sich bereits im Branchenmagazin dwdl.de darüber und sagte: „Es ist schon dreist, dass den Machern von Funk nichts anderes einfällt, als mit ihrem 45-Millionen-Euro-Budget die Ideen von deutschen Medien-Startups zu klauen.“

Bei dieser dynamischen Entwicklung schein klar, dass bald neue Angebote dieser Art für weitere Zielgruppen entstehen werden. Das Angebot passt zur vielfach beschworenen Forderung, Journalisten müssten mit ihren Nutzer stärker interagieren. Weil sie es persönlich nicht mit allen Nutzern einzeln tun können, übernehmen dies jetzt eben Bots. Das passende Schlagwort heißt Conversational Journalism. Martin Giesler, der gemeinsam mit Martin Hoffmann im Januar im Volokurs-Seminar „Open Journalism und User Understanding“ doziert hat, schrieb bereits im Frühjahr vergangenen Jahres einen mehr als interessanten Artikel zum Thema.

Richtig spannend wird es nämlich, wenn man das Konstrukt aus Messenger und Bots noch weiter spinnt. Mit ein bisschen Phantasie ist vorstellbar, dass es für viele spezifische Themen, für das Einkaufen oder für meine Lieblingsmarken Bots gibt. So ähnlich, wie ich heute Nachrichten in einen Facebook-Stream bekomme. Warum sollte ich dann meinen Messenger noch verlassen? Er kann mir auf Nachfrage ein Buch bestellen, die Abfahrtzeit der Bahn angeben oder die Einkaufsliste für mein Abendessen zusammenstellen. Eine Suchmaschine wie Google oder Bing bräuchte der Nutzer dann wohl seltener. Viele glauben, das ist „das nächste große Ding“.

Martin Hoffmann, Journalist des Jahres 2016 in der Kategorie "Entrepreneur", zeigt mit seinem Messenger-Bot Resi, dass journalistisch-technische Innovationen auch aus Deutschland kommen können. (Foto: Wolfgang Borrs)

Martin Hoffmann, Journalist des Jahres 2016 in der Kategorie "Entrepreneur", zeigt mit seinem Messenger-Bot Resi, dass journalistisch-technische Innovationen auch aus Deutschland kommen können. (Foto: Wolfgang Borrs)

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