Werden Roboter zu Kollegen oder zur Konkurrenz?

von Donnerstag, den 25. Oktober 2018

Technologie wird in Medien und Kommunikation bald einen Großteil aller Texte automatisch erstellen. „In den Redaktionen wird es eine hybride Arbeitssituation geben. Menschen und Computer arbeiten gemeinsam an Inhalten“, sagte der Unternehmer Saim Alkan bei der diesjährigen Immatrikulationsfeier der Leipzig School of Media (LSoM). Für den Menschen sei „Kollege Roboter“ jedoch keine Konkurrenz, sondern eine Entlastung, um Ressourcen anderweitig einzusetzen.

Bereits heute setzen immer mehr Medienhäuser auf Programme zur automatisierten Textgenerierung, erklärte Alkan, dessen Unternehmen AX Semantics auf diesen Bereich spezialisiert ist. Als Beispiel nannte er die Stuttgarter Zeitung. Die Tageszeitung lässt Berichte über Feinstaubwerte in der Stadt von einer Software formulieren. Dafür erhielt die Redaktion im Sommer den Lokaljournalistenpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Computer ersetzen keine Redakteure

Mit computergenerierten Texten habe auch das Leipziger Internetangebot news.de seine Reichweite enorm gesteigert. Bei dem Nachrichtenportal würden etwa Sportberichte oder Informationen zum Fernsehprogramm größtenteils maschinell erstellt. Dort zeige sich auch, dass Computer keine menschliche Arbeitskraft ersetzen: „Das ist Content, für den die Redakteure vorher keine Zeit hatten,“ erklärte Saim Alkan. „Roboter schreiben Texte, die es ohne sie gar nicht gegeben hätte.“

Mehr Zeit für das Wesentliche

An anderer Stelle sorgt Künstliche Intelligenz laut Alkan für Entlastungen, etwa im Online-Marketing : „Denken wir an den Shop eines Möbelhauses. Kein Mensch will doch im Monat hunderte Produktbeschreibungen für Sofas erstellen.“ Die Redakteure könnten stattdessen lieber in einem schönen Text erklären, wie man seine Wohnung in wenigen Handgriffen gemütlicher macht.

Diese Entwicklung erhofft sich Alkan auch im Journalismus. Den neuen Studierenden rief er zu: „Ich möchte, dass ihnen Computer standardisierte Berichte über Wetter, Lotto oder Aktien abnehmen. Meine Vision ist, dass sie stattdessen die Zeit haben, doppelt so viel zu schreiben wie heute und mehr daraus machen können als eine Zusammenfassung zum Spiel eines Amateuroberligisten.“

Gesellschaftlicher Auftrag bleibt bestehen

Wichtig war Saim Alkan in seiner Keynote der Hinweis auf die herausragende Bedeutung des Journalismus für Gesellschaft und Demokratie. Die Recherche, der gut geschriebene Meinungsbeitrag oder das Einordnen und Bewerten von Informationen könnten von Computern nicht übernommen werden. „Die goldene Feder, die eine Geschichte erzählt, und neue Gedanken öffnet, bleibt ganz wichtig“, sagte Alkan.

Angesichts der heftigen Medienkritik in der öffentlichen Debatte, forderte auch LSoM-Geschäftsführer Michael Geffken dazu auf, eine werteorientierte öffentliche Kommunikation zu verteidigen: „Lassen Sie uns den Kampf für freie und unabhängige Medien zur Basis unserer gemeinsamen Arbeit hier an der LSoM machen“, rief er den neuen Studierenden der berufsbegleitenden Masterstudiengänge New Media Journalism, Corporate Media und Crossmedia Management zu.

Herzlicher Dank an Günter Bentele

Dankesworte richtete Michael Geffken an Prof. Dr. Günter Bentele, der als Studiengangsverantwortlicher der Universität Leipzig zum letzten Mal neue Teilnehmer des Masterprogramms Corporate Media willkommen hieß. „Die LSoM würde es ohne Dich in der heutigen Form nicht geben. Du gehörst zu den Gründervätern, und Du hast den seinerzeitigen Studiengang Corporate Publishing, der heute Corporate Media heißt, initiiert, mitentwickelt und über die Jahre wesentlich geprägt“, sagte der LSoM-Geschäftsführer.

Zugleich verkündete das Team der LSoM bei der Feier auch einen Neubeginn und stellte den Masterstudiengang Online Marketing vor. Erstmals arbeitet die School bei dem neuen Angebot mit der Hochschule Fresenius onlineplus zusammen. Die Kollegen aus Köln sendeten eine Videobotschaft, in der sie sich auf die Zusammenarbeit freuten. Das passte zum Konzept des Studienprogramms, das die Vorteile eines Fernstudiums mit Präsenzphasen an der LSoM verbindet.

Roboter-Journalismus in Aktion

Übrigens: Wer sich das aktuelle Potenzial des Roboter-Journalismus in der Praxis anschauen möchte, hat dazu im Rahmen der LSoM-Veranstaltungsreihe #mediaimpuls Gelegenheit. Die School lädt am Donnerstag, 15. November alle Interessierten zu einem kostenlosen Redaktionsbesuch bei news.de in Leipzig ein. Den genauen Termin und Ablauf geben wir in Kürze auf unserer Website sowie bei Facebook und Twitter bekannt. Anmeldungen sind bereits jetzt möglich. Eine E-Mail an anmeldung@leipzigschoolofmedia.de mit Namen und Kontaktdaten genügt.

Die neuen Studierenden im Jahrgang 2018/19 an der Leipzig School of Media (Foto: Daniel Reiche)

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