Journalistischer Perspektivwechsel: Standpunkte abseits des Mainstreams

von Montag, den 27. November 2017

Felix Friedrich und seine Kollegen vom Leipziger Medien-Start-up "The Buzzard" haben ein ambitioniertes Ziel: Mit ihrer Website wollen sie Menschen raus aus der viel diskutierten medialen Filterblase holen und so gegen die zunehmende Polarisierung in gesellschaftlichen Debatten ankämpfen. "Wir wollen es möglich machen, politische Debatten aus der Vogelperspektive zu überblicken", sagte Friedrich am Sonnabend an der Leipzig School of Media (LSoM). Bei seinem Vortrag vor Kursteilnehmern und Absolventen der LSoM stellte er das Konzept des neuen Medienangebots überzeugend vor, musste sich aber auch kritischen Nachfragen stellen.

Das Wirken von Donald Trump, der EU-Austritt der Briten oder der Aufstieg der AfD in Deutschland – es sind vor allem die "langfristig wichtigen Themen", um die sich "The Buzzard" kümmert, erklärte Felix Friedrich. Zu den jeweiligen Themen stellt die Redaktion die unterschiedlichen Positionen und Argumente gegenüber. Stets gibt es eine Leitfrage. Beim Stichwort AfD zum Beispiel: "Ist der Einzug der AfD eine Gefahr für die deutsche Demokratie?" Die Redakteure beantworten die Frage jedoch nicht selbst, sondern fassen zusammen und verlinken auf andere Seiten: "Wir kuratieren Inhalte. Dabei greifen wir auf alle verfügbaren Quellen zu. Neben Berichten von klassischen Medien etwa auch auf Blogs oder Beiträge von Think Tanks oder Organisationen aller Art", sagte Friedrich.

Mehrwert Meinungsvielfalt

Gerade hierin bestehe der Mehrwert von "The Buzzard", erläuterte Friedrich. Denn bei vielen Themen sei es sehr schwierig, die Gegenstandpunkte zum Mainstream zu finden. Dies gelte besonders für internationale Fragen, beispielsweise die Sanktionen gegen Russland oder Nordkorea. Zudem sei der normale Mediennutzer bequem, fühle sich in seiner Social-Media-Filterblase vielleicht sogar wohl. "Deshalb ist es besonders wichtig, dass es möglichst einfach ist, vielfältige Sichtweisen zu finden. Und dafür wollen wir sorgen", sagte Friedrich.

Das Konzept von "The Buzzard", das bald in vielen Ländern europa- und weltweit umgesetzt werden soll, hat mehrere wichtige Förderer überzeugt. Das neue Angebot wird unter anderem von den "Kultur- und Kreativpiloten Deutschland", dem "Vocer Innovation Medialab" und nicht zuletzt von der „Google Digital News Initiative" unterstützt.


Fragen zur Finanzierung und Technologie

Die Zuhörer im Mediencampus Villa Ida, mehrheitlich Teilnehmer des Volontärskurses Crossmedia der LSoM, zeigten sich angetan von der Grundidee, stellten dem Gründer aber auch kritische Rückfragen. Wie bei allen neuen Medienunternehmungen stand etwa die Finanzierung zur Diskussion. Bei "The Buzzard" müssen die Nutzer ein Abo bezahlen. Vor diesem Hintergrund sei zweifelhaft, ob Menschen, die es sich in ihrer Filterblase gemütlich gemacht hätten, das Angebot überhaupt ansteuern werden, merkte eine Besucherin an. Felix Friedrich gab zu, dass dies eine Schwierigkeit sei. Bislang werde das Angebot tatsächlich mehrheitlich von liberal-progressiven Menschen genutzt, die sich ohnehin aus vielen Quellen unterrichten.

Auch der geplante Algorithmus zur Auswahl der Debattenbeiträge wurde hinterfragt, weil durch die Automatisierung wiederum bestimmte Quellen und Meinungen ausgeschlossen werden könnten. Hier versprach Friedrich, dass sein Team gemeinsam mit den Programmierern nach Lösungen suchen wolle, um dies zu verhindern. Zudem wies er darauf hin, dass die Zusammenfassung der Debatten weiterhin manuell erfolgen werde.

Treffpunkt für Absolventen des Masterstudiengangs New Media Journalism

Neben den Teilnehmern des Volontärskurses, hörte dem Vortrag übrigens fast der komplette Jahrgang 2011 des LSoM-Masterstudiengangs New Media Journalism (NMJ) zu. Die Alumni hatten ihr Treffen selbst organisiert, waren hierfür teils hunderte Kilometer angereist und freuten sich darüber, bei ihrem Wiedersehen auch fachlichen Input zu bekommen. Christoph Hartmann, der inzwischen als journalistischer Koordinator im Innovationslabor der Deutschen Welle arbeitet, konnte für seine eigene Arbeit etwas mitnehmen: "Filterblasen sind ein Problem, gerade auch in vielen Ländern, in denen die Deutsche Welle vertreten ist. Bestimmte Positionen können in diesen Ländern nicht gefunden werden, weil sie gar nicht veröffentlicht oder zensiert werden." Direkt im Anschluss sprach Hartmann Redner Felix Friedrich an, um dazu im Austausch zu bleiben.

Der Austausch war überhaupt das Kernanliegen der NMJ-Absolventen an ihrem gemeinsam verbrachten Wochenende. "Es war ja das tolle an diesem Studium, dass man sich ein internationales Netzwerk aufbauen konnte und Kollegen aus anderen Unternehmen kennengelernt hat, von denen man lernen konnte", sagte Alumnus Christian Degen, der das Treffen federführend organisiert hatte. Selbstverständlich drehte sich aber nicht alles um Berufliches oder gar die Zukunft des Journalismus. Vom Vortrag ging die NMJ-Gruppe weiter zu einem Escape-Room in Leipzig. Dabei ging es sicherlich nicht darum, aus einer medialen Filterblase zu entfliehen.

Felix Friedrich, Mitbegründer von "The Buzzard".

Felix Friedrich erklärte den Zuhörern in einem Vortrag die Idee und das Konzept von "The Buzzard".

Publikum beim Vortrag von Felix Friedrich.

Im Publikum waren neben Teilnehmern des Volontärskurses Crossmedia auch mehrere angereiste Absolventen des berufsbegleitenden Masterstudiengangs New Media Journalism. Fotos: Rebecca Nell

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