Video-Tutorials: Handbuch zur Produktion von Screencasts

von Mittwoch, den 07. Februar 2018

Wenn Menschen heute wissen möchten, wie man Socken strickt, einen Pool anlegt oder an sich selbst eine Darmreinigung durchführt, fragen sie weder ihre Oma noch einen Handwerker oder Mediziner. Sie gehen zu YouTube und suchen nach einem Video-Tutorial. Die genannten Beispiele übrigens besonders oft. Geht es um die Bedienung von Software, werden Erklärfilme ebenfalls immer wichtiger. Fachleute sprechen dann von Screencasts. Den Nutzen dieser Video-Anleitungen hat Franziska Buenzli jetzt in einer Masterarbeit an der Leipzig School of Media (LSoM) untersucht.

Franziska Buenzli forschte am konkreten Beispiel an ihrem eigenen Arbeitsplatz. Bei der Erziehungsdirektion des Kantons Bern ist die (Bald-)Absolventin des Masterstudiengangs Crossmedia Management Produktmanagerin für eine Schulverwaltungssoftware. Mit dem von ihr betreuten Programm erstellt das Schulpersonal etwa Lehrpläne und Zeugnisse oder speichert Daten von Schülern und Lehrkräften. Das Problem: Die Anforderungen an die Software werden aufgrund der Flexibilisierung des Bildungssystems ständig komplexer und gedruckte Anleitungen immer länger. Gerade bei Funktionen, die nur wenige Male pro Schuljahr ausgeführt werden, greifen die Schulmitarbeiter der Einfachheit halber vielfach auf die telefonische Hilfe des IT-Supports zurück.

Konkretes Beispiel, klare Zielsetzung

Vor diesem Hintergrund entstand die Idee, das Personal an den Schulen mit Screencasts zu unterstützen. Dabei werden Abläufe auf dem Bildschirm gefilmt und von einem Audio-Kommentar begleitet. Das Ziel: Textbasierte Anleitungen reduzieren und das Support-Team entlasten. Ob das wirklich möglich ist, ist die zentrale Frage der Arbeit. Um diese zu beantworten, befragte Franziska Buenzli in einer quantitativen Onlinebefragung die Power-User der Software in den Schulen, führte qualitative Leitfadeninterviews im eigenen Support-Team und analysierte mit Hilfe der Analyse-Werkzeuge von YouTube das konkrete Verhalten bei der Nutzung der von ihr mitkonzipierten und -produzierten Videos.

Hinweise für Konzeption und Produktion

Die Ergebnisse können zwar nicht verallgemeinert werden, weil das Forschungsobjekt sehr speziell und die Zahl der Befragten eher gering ist. Dennoch entstand „ein Handbuch dafür, wie man an die professionelle Produktion von Screencasts herangehen kann“, sagte Franziska Buenzli in der vergangenen Woche just nach ihrer mündlichen Verteidigung der Arbeit in Leipzig. Wertvolle Hinweise für Interessierte liefern insbesondere die Kapitel zur Konzeption, Produktion und Post-Produktion der Screencasts, in denen die Verfasserin den Entstehungsprozess samt technischer Einzelheiten beschreibt.

Entlastung für IT-Support

Gleichwohl sind auch die Erkenntnisse im konkreten Fall aufschlussreich. So fand Franziska Buenzli heraus, dass der telefonische IT-Support tatsächlich durch die Erklärvideos entlastet werden kann. Über neunzig Prozent der befragten Power-User gab etwa an, dass sie mit Hilfe der Videos Inhalte selbstständig erarbeiten oder sich zum benötigten Zeitpunkt in Erinnerung rufen können. Unter anderem dieses Ergebnis „deutet auf das große Potenzial der Screencasts hin, als Instrument Mikro-Lernen und Just-In-Time-Lernen zu fördern und damit den Support zu entlasten“, schreibt die Verfasserin.

Textanleitungen unverzichtbar

Auf der anderen Seite zeigt die Analyse, dass textbasierte Anleitungen durch den Einsatz der Videos nicht obsolet werden und nur in geringem Maß reduziert werden können. Grund dafür ist, dass die inhaltlich und zeitlich bewusst begrenzten Screencasts jeweils einen Überblick über einen gängigen Prozessablauf geben. Bei einem Detailproblem geben die Befragten der ausführlichen und griffbereiten Anleitung den Vorzug. Weitere spannende Schlussfolgerungen der Arbeit sind, dass die Beschränkung von einzelnen Screencast-Sequenzen auf fünf Minuten von allen Seiten als optimal angesehen wird und dass – überraschenderweise – Anwenderinnen und Anwender über 50 Jahre die Video-Anleitungen am stärksten nachfragen.

>> Die Masterarbeit von Franziska Buenzli mit dem Titel „Eignung von Screencasts in der Softwareschulung am Beispiel der Erziehungsdirektion des Kantons Bern“ steht hier auf der LSoM-Website zum Herunterladen bereit.

Franziska Buenzli, Absolventin des Studiengangs Crossmedia Management an der Leipzig School of Media, erforschte in ihrer Masterarbeit den Nutzen von Erklärvideos für Software. (Foto: LSoM)

Franziska Buenzli, Absolventin des Studiengangs Crossmedia Management an der Leipzig School of Media, erforschte in ihrer Masterarbeit den Nutzen von Erklärvideos für Software. (Foto: LSoM)

Teile diesen Beitrag:

Universität Leipzig

Akademischer Partner

Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig

Akademischer Partner

Akademie für Publizistik Hamburg

Akademischer Partner

MAZ - Die Schweizer Journalistenschule

Akademischer Partner

Kuratorium für Journalistenausbildung

Akademischer Partner

Europäisches Institut für Journalismus- und Kommunikationsforschung

Akademischer Partner

Medienstiftung der Sparkasse Leipzig

Muttergesellschaft und Förderer

GKMB Web + Film

Unterstützer

Bundesverband Digitale Wirtschaft

Studiengangspartner Mobile Marketing

Bundesverband Community Management

Partner

Detektor.fm

Partner

Mobilbranche.de

Partner

turi2

Partner

Synexus

Partner

Content Marketing Forum

Studiengangspartner Corporate Media

Mobile Business

Partner

ITmitte.de

Partner

Leipzig School of Media

gemeinnützige Gesellschaft für akademische Weiterbildung mbH
Mediencampus, Poetenweg 28, 04155 Leipzig Route planen

Tel +49 341 56296-701
Fax +49 341 56296-791
info (at) leipzigschoolofmedia.de

Die Leipzig School of Media ist ein Tochterunternehmen der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig in Zusammenarbeit mit der Universität Leipzig und der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig.


Top