"Wir haben einen besonderen Blick auf den Nutzen von Social Media"

von Freitag, den 25. September 2015

Social Media haben von Grund auf verändert, wie Menschen miteinander kommunizieren und damit ganze Lebens- und Arbeitsbereiche neu geprägt. Neben Unternehmen und Agenturen (siehe vorheriges Interview mit Nadine Angermann von der Erotik-Community JOYclub) müssen auch öffentliche Einrichtungen auf Facebook, Twitter & Co. aktiv sein. Trotz der Chancen, die im direkten Dialog mit den Bürgern liegen, tun sie sich damit nach wie vor sehr schwer. Eine Ausnahme bildet die Polizei Sachsen, die bereits im vergangenen Jahr strategisch fundiert und mit hohem Ressourceneinsatz das Social Web für sich erschlossen hat. Für den zweiten Teil unserer Interviewreihe sprachen wir mit Florian Schönthal, Sachsens erstem Facebook-Kommissar ("Bild"), der federführend für die Social-Media-Präsenz der Polizei zuständig ist.

Herr Schönthal, Sie haben bei uns den Zertifikatskurs zum Social Media Manager besucht. Können Sie sich daran erinnern, wie Sie zu dieser Entscheidung kamen und ob es einen ausschlaggebenden Moment dafür gab?

Auch die Polizei Sachsen verschließt sich nicht vor gesellschaftlichen Veränderungen. Kommunikation zwischen den Menschen findet in den Sozialen Netzwerken statt. Wir wollen mit unseren Mitmenschen in Sachsen kommunizieren, um Probleme und Gefahren zu lösen. Daher müssen wir auch da präsent sein, wo die Kommunikation stattfindet. Um diesen Weg professionell und konsequent zu beschreiten, muss fachlich gut ausgebildetes Personal mit dieser Aufgabe betraut werden. Eine entsprechende Fortbildung gibt es nicht intern, also haben wir uns nach externen Fortbildungspartnern umgesehen und sind in der LSoM fündig geworden.

Welche Position haben Sie inne und welche Aufgaben übernehmen Sie konkret als Social Media Manager?

Ich arbeite als Administrator im Social Media Team der Polizei Sachsen. Wir sind insgesamt vier Mitarbeiter, die sich um die Facebook- und Twitter-Accounts der sächsischen Polizei kümmern. Unsere Aufgabe besteht darin, diese Kanäle zu entwickeln, Inhalte zu erstellen und unsere Präsenz zu erweitern, um sie somit nutzbar für die Polizei Sachsen zu machen. Darüber hinaus prüfen wir die Nutzung weiterer Social-Media-Kanäle, die in der Zukunft für uns interessant werden könnten. Weiterhin bin ich an der Entwicklung unsere Social–Media-Strategie beteiligt. Social Media hat für uns als Polizei Sachsen entscheidende Vorteile. Wir können die Menschen in Sachsen beispielsweise schnell und ohne Filterung durch die klassischen Medien informieren und sie an Themen der Polizei beteiligen. Dabei versuchen wir, eine Identifikation mit den Aufgaben der Polizei sowie Transparenz für unser Handeln zu schaffen.

Inwiefern konnten Sie das gelernte im Kurs Wissen später in der Praxis umsetzen?

Das erlernte Wissen, gerade in Hinblick auf die strategische Ausrichtung eines Unternehmens mit all seinen Aufgaben und Herausforderungen, konnte ich zu 100 Prozent in die Arbeit bei uns einfließen lassen. Auf dieses Wissen bauen wir noch heute auf und entwickeln uns weiter. Neue Mitarbeiter werden auch mit Kursen an der LSoM fortgebildet.

Herr Schönthal, erzählen Sie uns kurz von einer erfolgreichen Social-Media-Kampagne- oder Maßnahme, die Sie bei der Polizei Sachsen umgesetzt haben.

Wir haben ja einen besonderen Blick auf den Nutzen von Social Media. Wir wollen viele Menschen erreichen und Informationen verbreiten, wenn es drauf ankommt. Wir verkaufen keine Produkte, sondern müssen Gefahren abwehren oder Straftaten verfolgen. Dabei sind die sozialen Medien sehr hilfreich. Es gab zum Beispiel ein Ermittlungsverfahren gegen eine Diebesbande, die ihr Unwesen auf einem Musikfestival Anfang 2015 trieben. Mehreren Besuchern stahlen sie Geldbörsen und Handys. Beobachtet wurde sie dabei von vier jungen Frauen, welche die dort eingesetzten privaten Sicherheitskräfte auf die Diebe aufmerksam machten. Die Polizei wurde hinzu gerufen und wir konnten die Täter festnehmen. Leider blieben die vier Frauen aber uns gegenüber unbekannt. Wir benötigten sie jedoch als wichtige Zeugen im Verfahren. Die Täter drohten straffrei davon zu kommen, da wir zunächst keine Zeugenaussage zur Tathandlung hatten. Über unsere Facebookseite starteten wir dann einen Zeugenaufruf. Die Teilnahme der Community war überwältigend. Viele Menschen wollten der Polizei helfen und teilten den Aufruf mit ihren Freunden. Aufgrund der großen Reichweite fanden wir nicht nur die vier Frauen, die wir suchten, sondern auch noch weitere bisher unbekannte Zeugen der Taten. Ein toller Erfolg und nur ein Beispiel von vielen.

Was kommt als nächstes - vor welchen Herausforderungen stehen Sie als Social Media Manager?

Ganz entscheidend wird die Geschwindigkeit sein, mit der wir die zukünftigen Herausforderungen angehen. Wir dürfen nicht auf den erstbesten Zug in der Zukunft aufspringen, nur um dabei zu sein. Es darf uns aber auch nicht passieren, dass wir den Anschluss verpassen.

Für die Zukunft - welche Ziele haben Sie sich innerhalb und außerhalb Ihres Unternehmens gesetzt?

Wir wollen uns in den vorhandenen Kanälen etablieren und neue erschließen, gegebenenfalls youtube und instagram. Intern wollen wir das Thema in der Aus- und Fortbildung der jungen Auszubildenden und Studenten integrieren. Auch die Akzeptanz im eigenen Haus und die interne Kommunikation wollen wir voranbringen.

Interview: Mariela Sirakova

Den Zertifikatskurs zum Social Media Manager bietet die LSoM in der Regel zweimal jährlich im Frühjahr und im Herbst an. Der nächste Kurs startet am 8. Oktober 2015.

Foto von Florian Schönthal

Florian Schönthal ist seit 2014 ausgebildeter Social Media Manager und verantwortet den Auftritt der Polizei Sachsen auf Facebook, Twitter & Co. (Foto: Polizei Sachsen)

Teile diesen Beitrag:

Universität Leipzig

Akademischer Partner

Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig

Akademischer Partner

Akademie für Publizistik Hamburg

Akademischer Partner

MAZ - Die Schweizer Journalistenschule

Akademischer Partner

Kuratorium für Journalistenausbildung

Akademischer Partner

Europäisches Institut für Journalismus- und Kommunikationsforschung

Akademischer Partner

Medienstiftung der Sparkasse Leipzig

Muttergesellschaft und Förderer

GKMB Web + Film

Unterstützer

Bundesverband Digitale Wirtschaft

Studiengangspartner Mobile Marketing

Bundesverband Community Management

Partner

Detektor.fm

Partner

Mobilbranche.de

Partner

turi2

Partner

Synexus

Partner

Content Marketing Forum

Studiengangspartner Corporate Media

Mobile Business

Partner

ITmitte.de

Partner

Leipzig School of Media

gemeinnützige Gesellschaft für akademische Weiterbildung mbH
Mediencampus, Poetenweg 28, 04155 Leipzig Route planen

Tel +49 341 56296-701
Fax +49 341 56296-791
info (at) leipzigschoolofmedia.de

Die Leipzig School of Media ist ein Tochterunternehmen der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig in Zusammenarbeit mit der Universität Leipzig und der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig.


Top