World Usability Day: „Benutzerfreundlichkeit trägt zum Erfolg bei“

von Donnerstag, den 09. November 2017

Erstmals findet am 9. November zum internationalen World Usability Day eine Veranstaltung in Mitteldeutschland statt. Unter dem Motto „Inclusion through User Experience“ treffen sich Fachleute an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK), um sich über neueste Trends beim Thema Bedienbarkeit und Benutzerfreundlichkeit auszutauschen. Organisator und LSoM-Dozent David Liebefinke erklärt im Interview unter anderem, warum das Thema Usability immer relevanter wird und was nach der Sprachsteuerung auf uns zukommt.

Frage: Wann haben sie sich das letzte Mal als Nutzer so richtig über eine Website oder ein Computerprogramm geärgert?

David Liebefinke: Das passiert mir so gut wie jeden Tag. Vielleicht liegt das aber daran, dass ich dafür sensibilisiert bin. In letzter Zeit ärgere ich mich besonders über die vielen Pop-Ups auf Internetseiten, die mich darauf hinweisen, dass Cookies verwendet werden. Das ist eine denkbar nervige Lösung.

Digitalisierung gilt beinahe als synonym dafür, das alles immer einfacher und schneller funktioniert. Wie groß sind die Probleme beim Thema Usability insgesamt?

Die Baustelle ist groß. Ich bin überzeugt, dass sehr viele Menschen sich im Alltag über schlecht funktionierende Programme, Apps und Internetseiten ärgern. Wenn man beispielsweise bei einem Unternehmen wie Google in den Ergebnissen der Shopping-Suche erst zig Mal klicken muss, bis man Detailinformationen zu einem Produkt bekommt, dann ist das unverständlich. Natürlich hat sich mit den vielen digitalen Dienstleistungen, die wir heute nutzen, die Erwartungshaltung verändert. An viele Unzulänglichkeiten haben wir uns gewöhnt. Andererseits erwarten die Menschen, dass digitale Produkte zufriedenstellend laufen.

Wo hakt es am meisten?

Es gibt diesen Witz, der bald wieder aktuell ist: Weihnachten ist die Zeit der Familie bzw. dafür, sich um deren IT-Probleme zu kümmern. Darin steckt ein wahrer Kern. Zum Beispiel ältere Menschen haben oft große Schwierigkeiten im Umgang mit modernen Medien. Vor diesem Hintergrund ist das diesjährige Thema unserer Veranstaltung zum World Usability Day gut gewählt. Es lautet: „Inclusion through User Experience“.

Viele denken ja bei Inklusion nur an Menschen mit Sehbehinderung, körperlichen oder anderen schweren Einschränkungen. Doch es geht darum, alle Menschen einzubeziehen. Und bei digitalen Technologien betrifft das eben auch ältere Generationen oder Leute, die beruflich nicht so viel mit Computern zu tun haben. Hier gibt es viel zu tun.

Frustrierte Kunden sind schlecht für das Geschäft. Von daher müsste das Thema Usability in Unternehmen doch einen hohen Stellenwert haben, oder?

Das Thema wird in den Unternehmen wichtiger. Man merkt das daran, dass es mehr Stellenausschreibungen für Usability-Ingenieure gibt und die Nachfrage nach Beratung steigt. Die Community von Fachkräften und Interessierten wird größer. Der Word Usability Day ist eine gute Gelegenheit, um diese Menschen zusammenzubringen. Ich hoffe, dass es in der Folge zu einem kontinuierlichen Austausch kommt und eventuell so etwas wie regelmäßige Treffen stattfinden.

Wird Benutzerfreundlichkeit in Zeiten der Digitalisierung sogar ein entscheidender Erfolgsfaktor?

Tatsächlich kann Usability ein Erfolgsfaktor sein. Bei Apple wird ja gemeinhin gesagt, dass der Erfolg der Produkte auf Benutzerfreundlichkeit, auf der intuitiven Handhabung beruht. Tatsächlich ist Apple ein Vorbild, was die Barrierearmut in der Bedienung ihrer Produkte angeht. Und das sage ich, obwohl ich kein Apple-Fan bin. Aber es gibt auch Gegenbeispiele. Bei SAP könnte man überspitzt behaupten, dass Usability über viele Jahre geradezu ignoriert wurde. Viele Nutzer sind unzufrieden, trotzdem ist die Anwendung praktisch ein Industriestandard. Ich würde also sagen: Benutzerfreundlichkeit trägt zum Erfolg bei, aber sie ist keine Prämisse für Erfolg.

Kommen wir noch einmal auf den WUD in Leipzig zurück. Sie wollen den Nutzer ins Zentrum rücken. Wie kann das gelingen?

In erster Linie geht es uns darum, dass diejenigen, die sich mit Usability beschäftigen, den Nutzer stets im Zentrum ihrer Überlegungen sehen. Hier gibt es aktuelle Trends, die wir besprechen wollen, aber auch längst verbreitete Themen, die auf die Waagschale gelegt werden müssen Ein Beispiel sind Personas, wie man sie aus dem Marketing kennt. Solche fiktiven Personen mit bestimmten Eigenschaften und Anforderungen helfen dabei, sich den Nutzer zu verbildlichen und seine Bedürfnisse zu berücksichtigen.

Aber auch das Zugehen auf echte Nutzer ist ein Thema. Ein Kollege von mir schwört auf Guerilla-Testing. Er geht mit einem Produkt auf die Straße und bittet Menschen um ihre Meinung. Der Ansatz muss sein, nicht zu lange mit einem Produkt im Verborgenen zu bleiben, sondern möglichst schnell Rückmeldungen von Anwendern zu bekommen. Sonst kann es sein, dass man viel Geld zum Fenster rausschmeißt, weil das Produkt hinterher nicht angenommen wird.

Darüber hinaus wollen wir natürlich grundsätzlich auf das Thema aufmerksam machen. Benutzerfreundlichkeit ist ein Querschnittsthema, dass auch Designer, Programmierer, Produktverantwortliche und viele andere etwas angeht. Das versuche ich als Dozent an der Leipzig School of Media im Studiengang Crossmedia Management zu vermitteln. Nicht jeder muss ein Experte in Sachen Usability werden. Aber es viel getan, wenn die Studierenden die Herausforderungen und Ansätze der Benutzerfreundlichkeit sowie die Methoden der Nutzerforschung kennen.

Derzeit erobert die Sprachsteuerung unseren Alltag. Ist das schon die höchste Entwicklungsstufe der Benutzerfreundlichkeit oder was sehen Sie, wenn Sie für uns einmal einen Blick in die sprichwörtliche Glaskugel werfen?

Die Sprachsteuerung ist der nächste wichtige Schritt. Für alltägliche, einfachere Anwendungsfälle wird sich das durchsetzen. Bei komplexeren Anwendungen ist der sprachliche Dialog mit einer Maschine aber nicht effizient genug. Deshalb wird die Sprachsteuerung nicht alles ersetzen. Es ist grundsätzlich ein bisschen so wie beim Rieplschen Gesetz, wonach keine Mediengattung eine andere gänzlich verdrängt. Der Kommandozeilendialog am Computer ist zum Beispiel uralt und trotzdem nicht wegzudenken.

Dennoch gibt es selbstverständlich weitere interessante Technologien, zum Beispiel Augmented Reality. Computergenerierte Einblendungen werden unsere Realität in Zukunft erweitern. Wir werden wahrscheinlich das Internet jederzeit irgendwo an die Wand werfen können oder Computerprojektionen auf dem Tisch mit Gesten hin und her bewegen. Ein weiterer Trend ist auch, dass wir Maschinen mit unseren Gedanken steuern. Es gibt bereits Stirnbänder für einfache Anwendungen. Gamer benutzen das zum Beispiel, damit sie im Spiel schneller schießen können.

Interview: Alexander Laboda

David Liebefinke ist LSoM-Dozent und Mitorganisator der ersten mitteldeutschen Veranstaltung im Rahmen des World Usability Day. (Foto: Ronny Kissing)

LSoM-Dozent David Liebefinke ist Mitorganisator der ersten mitteldeutschen Veranstaltung im Rahmen des World Usability Day am 9. November. Er erklärt im Interview, warum das Thema Usability immer relevanter wird und was nach der Sprachsteuerung auf uns zukommt. (Foto: Ronny Kissing)

Teile diesen Beitrag:

Universität Leipzig

Akademischer Partner

Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig

Akademischer Partner

Akademie für Publizistik Hamburg

Akademischer Partner

MAZ - Die Schweizer Journalistenschule

Akademischer Partner

Kuratorium für Journalistenausbildung

Akademischer Partner

Europäisches Institut für Journalismus- und Kommunikationsforschung

Akademischer Partner

Medienstiftung der Sparkasse Leipzig

Muttergesellschaft und Förderer

GKMB Web + Film

Unterstützer

Bundesverband Digitale Wirtschaft

Studiengangspartner Mobile Marketing

Bundesverband Community Management

Partner

Detektor.fm

Partner

Mobilbranche.de

Partner

turi2

Partner

Synexus

Partner

Content Marketing Forum

Studiengangspartner Corporate Media

Mobile Business

Partner

ITmitte.de

Partner

Leipzig School of Media

gemeinnützige Gesellschaft für akademische Weiterbildung mbH
Mediencampus, Poetenweg 28, 04155 Leipzig Route planen

Tel +49 341 56296-701
Fax +49 341 56296-791
info (at) leipzigschoolofmedia.de

Die Leipzig School of Media ist ein Tochterunternehmen der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig in Zusammenarbeit mit der Universität Leipzig und der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig.


Top