Für Social Media Manager gehört Veränderung zum Berufsalltag. Plattformen entwickeln sich weiter, Formate kommen und gehen, Zielgruppen verschieben ihre Erwartungen. Dennoch gibt es eine Art von Veränderung, die viele besonders herausfordert: der Wandel des eigenen Geschäftsmodells. Vor allem dann, wenn dieser Wandel eng mit der eigenen öffentlichen Sichtbarkeit verknüpft ist. Denn was intern als logische Weiterentwicklung erscheint, stellt sich nach außen oft als strategisches Dilemma dar. Eine der zentralen Fragen lautet dann: Bleibt man mit dem bestehenden Social-Media-Account und entwickelt ihn weiter oder ist ein klarer Schnitt in Form eines neuen Accounts der bessere Weg?
Diese Frage ist keineswegs trivial. Sie berührt Themen wie Markenidentität, Community-Vertrauen, Reichweite, Algorithmuslogik und nicht zuletzt die eigene Positionierung. Gerade Social Media Manager, die andere bei genau solchen Entscheidungen beraten, stehen hier selbst unter besonderer Beobachtung. Die eigene Lösung wird unweigerlich auch zum Statement für die eigene Arbeitsweise.
Ein Beispiel: Wenn ein bewährtes Geschäftsmodell ins Wanken gerät
Der Moment, in dem sich ein bisher stabiles Geschäftsmodell verändert, kommt für viele Kreative leise, aber bestimmt. Für Fotografen ist dieser Wandel aktuell besonders spürbar. KI-generierte Bilder sind innerhalb kürzester Zeit vom Nischenthema zum festen Bestandteil der visuellen Onlinewelt geworden. Was früher Profi-Equipment, jahrelange Erfahrung und ein geschultes Auge erforderte, ist heute für viele Nutzer mit wenigen Klicks erreichbar. So mancher Fotograf schaut sich aktuell nach neuen Geschäftsmodellen um oder erweitert sein Kompetenzspektrum.
Plattformen wie Instagram, TikTok oder LinkedIn werden zunehmend von Content dominiert, bei dem Geschwindigkeit, Aktualität und Storytelling wichtiger sind als perfekte Ausleuchtung oder technische Brillanz. Gleichzeitig wächst der Bedarf an strategischem Social Media Management stetig. Unternehmen, Selbstständige und Organisationen suchen nicht nur schöne Bilder, sondern Menschen, die Plattformmechaniken verstehen, Inhalte einordnen, Reichweite aufbauen, Formate entwickeln und Communities betreuen können.
Wer über Jahre hinweg als Fotografin einen Instagram-Account aufgebaut hat, bringt dafür eine wertvolle Grundlage mit. Erfahrung mit Content-Produktion, ein Gespür für Bildsprache, Wissen über Reichweitenlogiken und eine bestehende Community sind keine Nebensächlichkeiten, sondern handfeste Assets. Genau hier liegt die Chance – und gleichzeitig das strategische Dilemma.
Die Kernfrage: Rebranding oder Neustart?
Soll ein neuer Instagram-Account entstehen, der sich klar auf Social Media Management fokussiert? Oder ist es sinnvoller, den bestehenden Fotografie-Account weiterzuentwickeln und um das neue Angebot zu ergänzen? Diese Frage beschäftigt nicht nur Einzelpersonen, sondern ist ein Klassiker im Social Media Management. Sie taucht auf, wenn Agenturen ihr Portfolio erweitern, wenn Personal Brands neue Themenfelder und Zielgruppen erschließen oder wenn sich Märkte verändern.
Die Antwort ist selten eindeutig. Denn die verschiedenen Wege bringen Vorteile und Risiken mit sich, die stark vom individuellen Kontext abhängen. Entscheidend ist nicht nur, was theoretisch sinnvoll erscheint, sondern auch, welche Erwartungen die bestehende Community hat, wie stark die bisherige Positionierung ist und wie klar der neue Fokus kommuniziert werden kann.
Option 1: Der komplette Neustart mit einem neuen Account
Ein neuer Account bietet vor allem eines: Klarheit. Wer sich ausschließlich auf Social Media Marketing, Management und Strategie positionieren möchte, kann dies von Beginn an sauber und ohne Altlasten tun. Name, Profilbeschreibung, Content-Formate und visuelle Gestaltung lassen sich exakt auf das neue Angebot ausrichten. Es gibt keine historischen Inhalte, die thematisch nicht mehr passen, keine Follower, die sich fragen, warum plötzlich andere Themen auftauchen.
Gerade aus Branding-Sicht ist das ein starkes Argument. Ein klar fokussierter Account signalisiert Professionalität und Zielgerichtetheit. Für potenzielle Kunden ist sofort erkennbar, wofür dieser Account steht und welchen Mehrwert er bietet. Auch aus algorithmischer Perspektive kann ein sauber positionierter Account Vorteile haben, da die Inhalte von Beginn an auf eine definierte Zielgruppe ausgerichtet sind.
Demgegenüber steht allerdings der mühsame Aufbau von Reichweite und der Verlust mühsam aufgebauter Kontakte durch die Verabschiedung vom alten Account. Null Follower bedeuten zunächst null soziale Bewährtheit. Likes, Kommentare und geteilte Inhalte müssen sich erst entwickeln. In einer Zeit, in der Sichtbarkeit zunehmend umkämpft ist, kann das frustrierend sein – insbesondere für jemanden, der bereits bewiesen hat, dass er Reichweite aufbauen kann. Hinzu kommt der emotionale Aspekt: Der Abschied von einem gewachsenen Account fühlt sich für viele wie ein Verlust an.
Option 2: Den bestehenden Account weiterentwickeln und umbauen
Der zweite Weg besteht darin, den bestehenden Fotografie-Account nicht aufzugeben, sondern ihn strategisch weiterzuentwickeln. Die Fotografie bleibt dabei entweder als Teil der Identität erhalten oder rückt schrittweise in den Hintergrund, während Social Media Management zunehmend Raum einnimmt. Dieser Ansatz erkennt an, dass Social Media für viele mit der Fotografie begonnen hat und dass beides inhaltlich durchaus zusammenpasst.
Der größte Vorteil dieses Weges liegt in der vorhandenen Community. Follower haben bereits eine Beziehung zur Person hinter dem Account aufgebaut. Sie kennen den Stil, die Werte und die Haltung. Diese emotionale Bindung lässt sich nicht einfach reproduzieren. Wer es schafft, den Wandel transparent zu kommunizieren, kann einen Teil dieser Community auf die neue Reise mitnehmen. Zudem ist der Übergang fließender. Inhalte können thematisch verbunden werden, indem beispielsweise fotografische Perspektiven auf Social Media Themen übertragen werden. Der Account erzählt weiterhin eine Geschichte, nur mit neuen Kapiteln. Das kann besonders für Personal Brands ein stimmiger Weg sein, da die Person im Mittelpunkt bleibt und nicht ausschließlich das Angebot.
Die Risiken des Umbaus
Gleichzeitig birgt dieser Ansatz Risiken. Nicht alle Follower werden den neuen Fokus interessant finden. Manche sind dem Account wegen der Fotografie gefolgt und fühlen sich von strategischen oder beratenden Inhalten nicht angesprochen. Das kann zu sinkender Interaktionsrate führen, was wiederum Auswirkungen auf die algorithmische Sichtbarkeit hat.
Auch die Positionierung kann verwässern, wenn der Übergang nicht klar genug gestaltet ist. Ein Account, der gleichzeitig Fotografie-Portfolio, Social Media Tippgeber und Dienstleistungsangebot sein möchte, läuft Gefahr, unklar zu wirken. Für potenzielle Kunden kann das irritierend sein, wenn nicht eindeutig erkennbar ist, wofür die Person buchbar ist oder der Account steht.
Kommunikation als entscheidender Erfolgsfaktor
Unabhängig davon, für welchen Weg man sich entscheidet, ist die Art der Kommunikation zentral. Veränderungen ohne Erklärung erzeugen Irritation. Gerade Social Media lebt von Beziehung und Vertrauen. Wer seine Community mitnimmt, Hintergründe erklärt und den eigenen Entscheidungsprozess offenlegt, erhöht die Akzeptanz deutlich.
Im Fall der Fotografin, die sich stärker als Social Media Managerin positionieren möchte, kann genau dieser Weg ein verbindendes Element sein. Die Geschichte vom Wandel des Marktes, von neuen Anforderungen und eigenen Lernprozessen ist für viele nachvollziehbar. Sie schafft Identifikation und zeigt gleichzeitig Expertise. Denn wer den Wandel reflektiert und strategisch gestaltet, beweist genau jene Fähigkeiten, die im Social Media Management gefragt sind.
Der dritte Weg: Eine hybride Lösung
Neben dem klaren Neustart und dem vollständigen Umbau des bestehenden Accounts gibt es eine dritte Möglichkeit. Diese besteht darin, den bestehenden Account als persönliche oder kreative Basis zu behalten und parallel einen zweiten, klar fokussierten Account für das Social Media Management aufzubauen. Der Unterschied zum reinen Neustart liegt in der bewussten Verknüpfung beider Accounts.
Der bestehende Account dient weiterhin als Ort für persönliche Einblicke, fotografische Arbeiten und den individuellen Werdegang. Der neue Account ist hingegen klar als fachlicher, beratender Kanal positioniert. Über Verlinkungen, Story-Erwähnungen und transparente Kommunikation wird eine Brücke zwischen beiden Welten geschlagen. So kann Reichweite gezielt übertragen werden, ohne den bestehenden Account thematisch komplett umzubauen.
Dieser Ansatz erfordert allerdings mehr Ressourcen. Zwei Accounts bedeuten doppelte Pflege, doppelte Content-Planung und eine klare Trennung der Inhalte. Für Social Media Manager kann das dennoch ein spannendes Modell sein, da es die eigene Vielseitigkeit abbildet und gleichzeitig eine saubere Angebotskommunikation ermöglicht.
Strategische Leitfragen für die Entscheidung
Die Entscheidung für oder gegen einen Neustart sollte niemals rein aus einem Bauchgefühl heraus getroffen werden. Sie ist eine strategische Weichenstellung, die sich langfristig auf Sichtbarkeit, Kundengewinnung und Markenwahrnehmung auswirkt. Hilfreich ist es, sich ehrlich mit der eigenen Ausgangslage auseinanderzusetzen.
- Wie stark ist die bestehende Community wirklich mit dem bisherigen Thema verbunden?
- Wie hoch ist die Interaktionsrate und wie dialogorientiert ist der Account?
- Wie klar ist das neue Angebot bereits formuliert und wie erklärungsbedürftig ist der Wandel?
- Und nicht zuletzt: Welche Rolle soll der Account künftig im eigenen Marketing-Mix spielen?
Der Blick aus der Perspektive von Social Media Managern
Für Social Media Manager ist dieser Entscheidungsprozess auch deshalb spannend, weil er viele theoretische Konzepte in die Praxis zwingt. Themen wie Zielgruppenanalyse, Markenführung, Content-Strategie und Change-Kommunikation lassen sich hier am eigenen Beispiel durchspielen. Die eigene Entscheidung wird damit zum Erfahrungswert, der später auch in der Beratung genutzt werden kann.
Gerade in einer Zeit, in der viele Geschäftsmodelle durch technologische Entwicklungen unter Druck geraten, wird die Fähigkeit, sich sichtbar weiterzuentwickeln, zu einer Kernkompetenz. Social Media ist nicht nur ein Kanal zur Vermarktung, sondern ein Raum, in dem Wandel beobachtet, erklärt und gestaltet wird.
Es gibt nicht die eine richtige, aber eine passende Entscheidung
Ob ein Social Media Account geschlossen und neu eröffnet wird oder ob er sich weiterentwickelt, ist keine Frage von richtig oder falsch. Es ist eine Frage der Passung. Zur eigenen Persönlichkeit, zur bisherigen Community, zum neuen Geschäftsmodell und zu den verfügbaren Ressourcen.
Der Fall der Fotografin, die sich zunehmend als Social Media Managerin positioniert, zeigt exemplarisch, wie eng Chancen und Unsicherheiten miteinander verknüpft sind. Die Fotografie verliert nicht ihren Wert, sie verändert lediglich ihre Rolle. Wer diesen Wandel strategisch nutzt, kann aus einer vermeintlichen Bedrohung eine überzeugende Neupositionierung entwickeln.
Für Social Media Manager liegt genau hier eine zentrale Erkenntnis: Sichtbarkeit ist kein statischer Zustand, sondern ein Prozess. Accounts dürfen sich verändern, solange diese Veränderung bewusst gestaltet wird. Wer den Mut hat, den eigenen Weg transparent zu kommunizieren und strategisch zu begleiten, schafft nicht nur Klarheit für andere, sondern auch für sich selbst.
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